Furcht- und Angstreaktionen bald besser behandelbar?

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Forscher fanden Nervenzellen, die bei Stressreaktion Angst regulieren

Bei den meisten Menschen lassen Furcht- und Angstreaktionen auf eine traumatische oder Stressreaktion rasch nach, sobald diese vorüber ist. Bei manchen jedoch bleibt die Angst bestehen; der Zustand kann chronisch werden und zu Angststörungen, Depression oder einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen. Medikamente sind in diesen Fällen bestenfalls partiell wirksam.

Prof. Alon Chen, Direktor am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, und seine Mitarbeiterin Dr. Marloes Henckens haben jetzt Nervenzellen in einer Hirnregion, dem „erweiterten Amygdalakomplex“, lokalisiert, die für die Regulierung von Furcht- und Angstreaktionen verantwortlich sind. Einige dieser Zellen produzieren Rezeptoren für ein Protein, das in Stresssituationen freigesetzt wird.

„Wir bedienten uns einer Methode, mit der wir Nervenzellen an- und ausschalten können, um herauszufinden, ob und wie diese Zellen die Angstreaktion beeinflussen”, erläutert Chen. Die Optogenetik genannte Methode setzt Licht zur Kontrolle der Aktivität von Nervenzellen ein. Labormäuse wurden gentechnisch so modifiziert, dass sie in bestimmten Nervenzellen im erweiterten Amygdalakomplex ein lichtempfindliches Protein produzieren. Durch die Bestrahlung mit lichtleitenden Fasern in blau oder gelb ließ sich die jeweilige Zelle an- oder ausschalten.

Beim Vergleich fanden die Wissenschaftler heraus, dass Mäuse, deren Neuronen angeschaltet waren, sich weniger ängstlich verhielten als diejenigen, bei denen die entsprechenden Neuronen abgeschaltet waren. Um mehr zu erfahren, erhoben die Forscher die Kortisolwerte. Sie verglichen die Mäuse mit angeschalteten Neuronen mit einer Kontrollgruppe. Erstere hatten niedrigere Gesamtwerte und es dauerte weniger lang, bis ihre Kortisolwerte sich nach einem Stress auslösenden Ereignis normalisierten.
Wenn diese Neuronen die Angstreaktion regulieren, dürften sie auch an der PTBS beteiligt sein. Um die näheren Zusammenhänge zu verstehen, setzten die Forscher die Mäuse einem traumatischen Ereignis aus. Anschließend wurden die Tiere in eine neue Umgebung gesetzt und an das traumatische Ereignis erinnert. Dadurch werden bei manchen Mäusen und auch bei Menschen Symptome von PTBS hervorgerufen. Kurz nach dieser Konfrontation wurden bei einigen Mäusen die just entdeckten Nervenzellen mit Hilfe lichtleitender Fasern angeschaltet. Eine Woche später wurden alle Mäuse auf Anzeichen für PTBS getestet. In der Kontrollgruppe, in der die Zellen nicht bestrahlt worden waren, zeigten rund 42 Prozent der Mäuse PTBS-ähnliche Symptome, während nur acht Prozent derer, bei denen die Zellen angeschaltet waren, Anzeichen der Erkrankung aufwiesen.

„Das Anschalten dieser speziellen Neuronen verbesserte die Fähigkeit der Mäuse, sich von der traumatischen Erfahrung zu erholen und mit den Symptomen der PTBS fertig zu werden“, sagt Chen. Die Entdeckung weckt Hoffnungen, Angsterkrankungen künftig gezielter und hoffentlich auch effektiver behandeln können.

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