Paranoia fördert den beruflichen Aufstieg

Wer Katastrophen fürchtet, bereitet sich besser vor

 Um in einem Unternehmen Karriere zu machen, braucht man nicht nur Abschlüsse und Erfahrung; es kommt auch auf bestimmte Persönlichkeitseigenschaften an. Davon ist nach einer Studie Dr. Niels Van Quaquebeke, Professor an der Kühne Logistics University (KLU) in Hamburg, überzeugt. „Man muss auf dem sozialen Parkett tanzen können“, beschreibt Van Quaquebeke die Anforderungen. Er sieht Menschen mit paranoiden Persönlichkeitseigenschaften dabei im Vorteil. Das starke Misstrauen anderen gegenüber und die damit einhergehende ständige Wachsamkeit unterstützten die Karriere.

„Merkmale einer paranoiden Persönlichkeit sind unter anderem das Gefühl, von anderen hintergangen und ausgenutzt zu werden. Die Betroffenen vermuten überall um sie herum feindselige Haltungen ihnen gegenüber“, so Van Quaquebeke. Das führe zu einer genauen Beobachtung der sozialen Umgebung und einer häufig wechselnden Einteilung in Freund und Feind. Paranoide Menschen seien bestrebt, Beziehungen so zu managen, dass ihre vermeintlichen Widersacher kaum Angriffspunkte haben. Und noch einen anderen Vorteil hat der Hamburger Forscher in der Studie ausgemacht: „Um nach oben zu kommen, muss man sich einerseits immer wieder richtig positionieren. Andererseits ist es aber auch wichtig, sich aus Situationen heraus zu halten, die schädlich für die Karriere sein können. Beides gelingt Menschen mit paranoiden Wesenszügen besonders gut.“

Auch Führungskräfte könnten aus ihrem paranoiden Verhalten Kapital schlagen. „Paranoiker sind ständig auf das Schlimmste gefasst und entwickeln Strategien, um sich dagegen zu wappnen.“ Das kann sich auf das Verhalten von Mitarbeitern und Kollegen beziehen, auf die Absichten von Geschäftspartnern oder auf vermeintliche Sabotageversuche am Unternehmen und seinen Produkten. Als Beispiel für eine paranoide Führungspersönlichkeit nennt Van Quaquebeke den früheren Intel-Chef Andrew Grove. Dieser habe sich permanent Gedanken über die Qualität der Produkte, die Leistungsfähigkeit der Fabriken, die Arbeitsmoral seiner Angestellten und die Pläne seiner Konkurrenten gemacht. Und sei damit für viele Situationen gut gerüstet gewesen. „Die Wirtschaftswelt wird immer unsicherer“, konstatiert Van Quaquebeke, „wir sehen Wirtschaftskrisen, globalen Wettbewerb, und neue disruptive technologische Entwicklungen. Menschen mit paranoiden Eigenschaften sind auf solche Herausforderungen häufig besser vorbereitet, weil sie in Gedanken diese Szenarien schon durchgespielt haben.“

Der Artikel “Paranoia as an Antecedent and Consequence of Getting Ahead in Organizations: Time-Lagged Effects Between Paranoid Cognitions, Self-Monitoring, and Changes in Span of Control” ist in Frontiers in Psycholgy erschienen, einer der meist zitierten wissenschaftlichen Zeitschriften im Bereich Psychologie.
dx.doi.org