Mitarbeit von PsychologInnen in Verdi-Tarifkommissionen
Der überwiegende Teil der angestellten klinischen Psychologinnen und Psychologen ist in Krankenhäusern, Reha-Kliniken oder Beratungsstellen tätig. Ihre tarifliche Eingruppierung richtete sich früher fast ausschließlich nach dem Bundesangestelltentarif BAT. In der Allgemeinen Vergütungsordnung wurde die Berufsgruppe im Gegensatz zu den ÄrztInnen nicht ausdrücklich erwähnt und daher wurden die PsychologInnen wie auch andere AkademikerInnen i.d.R. den Entgeltgruppen II oder IIa zugeordnet. Die Chance eines Bewährungsaufstieges nach 6 Jahren in die Entgeltgruppe Ib war je nach Stellenbeschreibung mal gegeben, mal nicht. Der BAT wurde 2005 im Öffentlichen Dienst abgelöst vom TVöD für Bundes- und Kommunalbedienstete und vom TV-L für Landesbedienstete. Beide Verträge haben noch keine neuen Eingruppierungsverzeichnisse bzw. Entgeltrahmen. Dieses Thema soll in der Tarifrunde 2008 neben der Entgelterhöhung ebenfalls verhandelt werden.
Die Fachkommission PP/KJP arbeitet in Verdi für eine explizite Aufführung der Berufe Psychologe/in in der neuen Entgeltgruppe 13 und Psychologische/r Psychotherapeut/in und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/in in der Entgeltgruppe 15.
Am 16. Mai 2007 wurde auf der 2. Bundesfachbereichskonferenz des Verdi-Fachbereiches 3 (Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen) in Magdeburg, einstimmig der Beschluss gefasst, dass approbierte Diplom-PsychologInnen und Diplom-Sozial-PädagogInnen als PP und KJP den FachärztInnen gleichzustellen sind. Dies ist eine wichtige Verhandlungsrichtlinie für die Tarifkommission im ÖD aber noch kein Verhandlungsergebnis.
Die intensive Arbeit der Fachkommission PP/KJP hat zu einer Stärkung der Berufsgruppe PsychologInnen und PsychotherapeutInnen innerhalb von Verdi geführt. Die Mitglieder der Fachkommission haben sich dafür ausgesprochen, innerhalb des geplanten Entgeltsystems von Verdi zu verbleiben. Eine eigene Entgelttabelle, wie jene der Ärzte wird abgelehnt. Als relativ kleine Berufsgruppe können die PsychologInnen nur in Gemeinschaft mit anderen Gesundheitsberufen ihre Ziele durchsetzen.
Das bislang eher von öffentlicher oder kirchlich-gemeinnütziger Trägerschaft geprägte deutsche Krankenhauswesen beginnt sich zu verändern. Durch massive Aufkäufe anfangs unrentabler Häuser haben es private Krankenhauskonzerne mittlerweile auf einen Marktanteil von über 12% gebracht. Der Anteil der Beschäftigten in den 8 größten Konzernen hat sich in den Jahren 2003 bis 2006 von ca. 64000 auf 112000 erhöht. Damit sind auch immer mehr PsychologInnen für private Gesundheitsunternehmen tätig.
Die Konzerne Damp Holding in Norddeutschland und Helios haben als erste mit Verdi Konzerntarife für ihre Beschäftigten abgeschlossen. Verhandelt werden von Verdi aber auch regionale Tarifwerke bei den Rhön-Kliniken (u. a. Uniklinikum Gießen-Marburg), Asklepios (u. a. LBK Hamburg), Sana Kliniken, Paracelsus und Ameos (überwiegend Psychiatrien). Von berufspolitischem Interesse ist insbesondere der Konzerntarifvertrag Damp, der den rund 100 angestellten PsychologInnen und PsychotherapeutInnen arztgleiche Gehälter sichert und auch die KJP gleichstellt.
Hier wird erkennbar, dass Tarife privater Unternehmen die gewünschte Gleichstellung unter bestimmten Umständen schneller umsetzen können und eventuell dann auch einen positiven politischen Einfluss auf die Verhandlungen zum Entgeltrahmen im Öffentlichen Dienst haben könnten. Notwendig ist daher das tarifpolitischen Engagement der PsychologInnen, PP und KJP in ihren Konzernen. Der Organisationsgrad und die Mitarbeit in den Tarifkommissionen sind dabei entscheidend. In der Unternehmensgruppe Damp sind über 60% der PsychologInnen und PsychotherapeutInnen Mitglied bei Verdi und 2 Kollegen haben einen Sitz in der Tarifkommission. Da sich in den anderen Konzernen aktuell noch Tarifkommissionen formieren, böte sich auch noch Gelegenheit zur Mitarbeit.
BDP-VertreterInnen in der Verdi-Bundesfachkommission PP/KJP sind Elisabeth Götzinger, Laszlo Pota, Hans-Werner Stecker und Klaus Thomsen. Interessierte können sich über den BDP an sie wenden.
Verdi-Publikationen für PsychotherapeutInnen
Die Bundesfachkommission PP/KJP bei Verdi hat zwei Broschüren veröffentlicht, die sich an die Berufsgruppen PsychologIn und PsychotherapeutIn richten.
Im Oktober 2006 erschien „Reform der Psychotherapieausbildung“. Verdi thematisiert die Mängel des PsychThG hinsichtlich der Ausbildung. Es folgen Vorschläge für eine klarer definierte Weiterbildung zum/r PsychotherapeutIn wie höhere qualitative Anforderungen an Ausbildungsinstitute, die Abschaffung der sogenannten „freien Spitze“ oder leichterer Anerkennung von Vorleistungen. Die „Praktische Tätigkeit“ soll durch eine Praxisphase ersetzt werden, mit einem Vergütungsanspruch, der sich an der Ausgangsqualifikation orientiert. Eine vorläufige Heilkundeerlaubnis in der Weiterbildungszeit ist notwendig.
Im April 2007 wurde die Dokumentation zur Tagung „Stand und Perspektiven der psychotherapeutischen Versorgung“ veröffentlicht. Diese Verdi-Fachtagung vom 29.11.2006 richtete sich an Politiker, Verbandspolitiker und Kassenvertreter. Bekannte Wissenschaftler aus der Psychologie und Psychiatrie waren der Einladung von Verdi nach Berlin gefolgt. Prof. Dr. Jürgen Kriz warnte vor den Folgen einer Methodenbeschränkung in der deutschen Psychotherapiepraxis und –forschung. Prof. Dr. Manfred Zielke präsentierte Kosten-Nutzen-Analysen von stationärer Psychotherapie. Pro investierten Euro in psychosomatischer Rehabilitation würden 3,79 Euro Krankheitskosten und –folgen gespart. Prof. Dr. Harald Rau belegt anhand eigener und fremder Studien, dass die psychotherapeutische Monobehandlung der Depression der psychiatrisch empfohlenen Kombinationstherapie mit modernen Antidepressiva überlegen ist. Prof. Dr. Arno Deister ist Ärztlicher Direktor eines kommunalen Krankenhauses und Chefarzt der dortigen Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatischer Medizin, die als Modellprojekt, die budgetierte stationäre und ambulante Regionalversorgung eines ganzen Kreises leistet. Er weist auf die enge praktizierte Zusammenarbeit der psychologischen und ärztlichen PsychotherapeutInnen hin. Die bewährte Multiprofessionalität in einer modernen Psychiatrie bedarf einer entsprechenden Weiterentwicklung der Psychiatrie-Personalverordnung. Die traditionelle Rollenverteilung sollte überdacht werden. Die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende Ellen Paschke betont, dass die facharztäquivalente Bezahlung für psychotherapeutische Berufe Richtschnur bei den Verhandlungen zur neuen Entgeltordnung des TVöD sein wird. Sie verweist auf den tariflichen Handlungsbedarf für eine angemessene Vergütung der PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA). Schließlich betont sie, dass Verdi die „psychotherapeutische Versorgung stärker in den Blickpunkt der gesundheitspolitischen Reformdiskussion rücken“ wird.
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